Zweirichtungszähler: Kosten und Vor- und Nachteile

Kai Janßen
August 9, 2021
Kategorie: PV-Zähler

Was ist ein Zweirichtungszähler?

zweirichtungszähler

Ein Zweirichtungszähler misst sowohl die Strommenge, die der Besitzer einer Photovoltaikanlage in das Stromnetz einspeist, als auch die aus dem Stromnetz bezogene Energiemenge. Somit stellt ein Zweirichtungszähler eine Kombination aus einem Einspeisezähler und einem Bezugszähler dar.

Mithilfe eines Zweirichtungszählers kann am Ende des Bezugszeitraums mit dem Stromanbieter über den gelieferten beziehungsweise den eingespeisten Strom abgerechnet werden.

Wozu braucht man ein Zweirichtungszähler? 

Mithilfe eines Zweirichtungszählers können die Mengen an Strom erfasst werden, die ein Betreiber einer Photovoltaikanlage ins Stromnetz einspeist beziehungsweise daraus entnimmt. 

Die Erfassung beider Strommengen ist wichtig, da die meisten Photovoltaikanlagen nicht als sogenannte Inselanlagen, sondern mit einer Verbindung zum Stromnetz betrieben werden.

Dementsprechend kann der Betreiber der Anlage den selbst erzeugten Solarstrom nutzen oder Strom zur Deckung des eigenen Verbrauchs aus dem Netz beziehen, sofern die aktuelle Stromerzeugung der Photovoltaikanlage für Eigenverbrauch nicht ausreicht.

Mit den vom Zweirichtungszähler ermittelten Strommengen kann der Betreiber zum Ende jeder Bezugsperiode mit dem Stromanbieter abrechnen. Für den aus dem Netz bezogenen Strom muss der entsprechende Endkundenpreis an den Stromversorger entrichtet werden. Für den eingespeisten Strom erhält der Anlagenbetreiber die staatlich garantierte Einspeisevergütung. Diese liegt mittlerweile deutlich unter den Endkundenpreisen für Strom.

Wie funktioniert ein Zweirichtungszähler?

Ein Zweirichtungszähler stellt die Kombination eines Einspeisezählers und eines Bezugszählers in einem Gerät dar.

Somit misst er die Strommenge, die vom Wechselrichter der Solaranlage in Wechselstrom umgewandelt und anschließend ins Stromnetz eingespeist wird. 

Darüber hinaus misst ein Zweirichtungszähler analog zu einem „normalen“ Stromzähler für Privatkunden den Strom, der aus dem Netz bezogen und vom jeweiligen Versorger in Rechnung gestellt wird.

Im Ausland sind häufig Zweirichtungszähler im Einsatz, die nach dem sogenannten Net-Metering-Prinzip funktionieren. Hierbei läuft der Zähler vorwärts beziehungsweise rückwärts je nachdem, ob Strom bezogen oder eingespeist wird. In Deutschland hingegen wird das Net-Metering nicht angewendet. Stattdessen besitzen Zweirichtungszähler hierzulande zwei separate Messskalen. Somit wird der eingespeiste und der aus dem Netz bezogene Strom getrennt abgelesen und dem Stromanbieter mitgeteilt.

Installation des Zweirichtungszählers

Bei der Installation eines Zweirichtungszählers sollten Sie darauf achten, dass es sich um einen „saldierenden Zähler“, auch „Ferraris-Zähler“ genannt, handelt. Denn nur diese Geräte garantieren den maximalen monetären Ertrag der Photovoltaikanlage.

Der Grund hierfür liegt darin, dass in privaten Haushalten zumeist nur einphasiger, im öffentlichen Stromnetz hingegen dreiphasiger Strom fließt. Hieraus resultiert die Möglichkeit, dass der Haushalt Strom auf einer anderen Phase verbraucht, als die Solaranlage ihn produziert. Dadurch entsteht die Situation, dass der komplette erzeugte Solarstrom eingespeist und gleichzeitig der komplette Bedarf des Haushalts aus dem Stromnetz entnommen wird. 

Da die Endkundenpreise für Strom erheblich teurer sind als die anfallende Einspeisevergütung, ergäbe sich für den Besitzer der Photovoltaikanlage somit ein Minusgeschäft. Ein saldierender Zweirichtungszähler erfasst hingegen den Stromfluss auf allen drei Phasen korrekt und ermöglicht so eine exakte Abrechnung.

Was kostet ein Zweirichtungszähler?

Zweirichtungszähler können in Deutschland von Privatkunden nicht erworben werden. Stattdessen werden sie für rund 40 Euro im Jahr vom Stromanbieter gemietet. In diesem Preis sind die Kosten für Wartung, Eichung etc. bereits enthalten.

Die meisten Zweirichtungszähler können einfach und bequem per Funk abgelesen werden. Moderne Geräte, sogenannte „Smart Meter“, senden die erfassten Strommengen sogar kontinuierlich an den Netzbetreiber. Dieser kann dann leichter steuernd eingreifen. 

Wie wird ein Zweirichtungszähler abgelesen?

Mechanische Zweirichtungszähler verfügen über zwei getrennte Zählwerke, an denen der eingespeiste beziehungsweise der bezogene Strom direkt abgelesen werden kann.

Bei elektronischen Zählern hingegen leuchtet im Display gewöhnlich nur ein Messwert auf. Dabei werden im Wechsel der Strombezug und die Stromeinspeisung dargestellt. Wer sich nicht ganz sicher ist, welche Zahl für welchen Wert steht, sollte bei seinem Energieversorger nachfragen.

Warum wird trotz eines Zweirichtungszählers ein zusätzlicher Ertragszähler benötigt?

Ein Zweirichtungszähler gibt lediglich die ins Stromnetz eingespeiste beziehungsweise daraus entnommene Strommenge an. Der Eigenverbrauch durch den Solaranlagenbesitzer wird hingegen nicht erfasst. Dieser ist allerdings von sehr großer Bedeutung, da die staatlich garantierte Einspeisevergütung abhängig von der insgesamt produzierten Strommenge ist.

Deshalb wird zusätzlich zu einem Zweirichtungszähler auch ein Ertragszähler, der den gesamten von der Anlage produzierten Strom erfasst, benötigt. Die Differenz zwischen dem Stand des Ertragszählers und dem Messwert für die Einspeisung stellt den Eigenverbrauch dar. 

Vor- und Nachteile eines Zweirichtungszählers

Zweirichtungszähler verbrauchen weniger Platz im Sicherungskasten als zwei separate Zähler. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass im Mietpreis bereits die Wartung inbegriffen ist. Nutzer haben dadurch besonders wenig Aufwand.

Als Nachteil ist zu sehen, dass die Miete für Zweirichtungszähler langfristig höher ist als der Preis für den Kauf des Gerätes. Da Privatkunden diese Geräte nicht kaufen können, entstehen ihnen hierdurch langfristige Kosten.

Neben den jährlichen Mietkosten müssen zusätzlich auch indirekte Kosten für Zweirichtungszähler einkalkuliert werden. Da der Zähler vom Stromanbieter nur gemietet wird, muss bei einem Anbieterwechsel auch der Zähler ausgetauscht werden.

Da viele Stromanbieter besonders Neukunden mit sehr günstigen Rabatten gewinnen wollen, kann es sich lohnen, jedes Jahr den Anbieter zu wechseln. Wenn ein Zweirichtungszähler verwendet wird, gestaltet sich der Anbieterwechsel allerdings entsprechend kompliziert. Da viele Online-Vergleichsportale keine Angebote mit einem Zweirichtungszähler vermitteln, wird der Anbieterwechsel weiter erschwert. Wer regelmäßig seinen Stromanbieter wechseln möchte, sollte sich deshalb überlegen, ob er statt eines Zweirichtungszählers besser zwei getrennte Zähler installiert.

Fazit

Ein Zweirichtungszähler kombiniert einen Einspeisezähler und Bezugszähler in einem Gerät. Er misst die aus dem Stromnetz bezogene Energiemenge als auch die in das Stromnetz eingespeiste Strommenge. 

Die Kosten für einen Zweirichtungszähler betragen dabei um die 40 Euro im Jahr. Dabei ist zu beachtet, dass der Zweirichtungszähler nicht erworben, sondern vom Stromanbieter gemietet wird und bei Kündigung wieder zurückgegeben werden muss. 

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