Liebhaberei: Vereinfachungsregelung bei PV-Anlagen

Kai Janßen
Zuletzt aktualisiert: 18/04/2022

Wer mit einer Photovoltaik Strom ins öffentliche Netz einspeist, verfolgt damit in der Regel eine „Gewinnerzielungsabsicht“ und ist einkommensteuerpflichtig. Die Einstufung der PV-Anlage als Liebhaberei bedeutet, dass diese Steuerpflicht entfällt. In dieser Vereinfachungsregelung stuft das Finanzamt Photovoltaik-Anlagen als Liebhaberei ein, wenn diese nur eine Leistung bis 10 kWp haben.

Jetzt Photovoltaik Angebote vergleichen und 30% sparen!

Nehmen Sie sich 60 Sekunden Zeit und füllen ein kurzes Formular aus. Wir verbinden Sie mit bis zu fünf geprüften Fachfirmen aus Ihrer Region. Der Vergleich ist für Sie kostenlos und unverbindlich.

Grafik Angebote

Was ist bei PV-Anlagen steuerlich zu beachten?

Als Besitzer einer Photovoltaik-Anlage speisen Sie Ihren überschüssigen Strom ins öffentliche Netz und erhalten dafür eine Einspeisevergütung von Ihrem Netzbetreiber. Steuerlich gesehen erzielen also Einnahmen aus einer gewerblichen Tätigkeit, auf die sie Einkommenssteuer zahlen müssen.

Sie können diese Zahlung allerdings umgehen, indem Sie einen Antrag auf Liebhaberei bzw. Vereinfachungsregelung stellen. In diesem weisen Sie nach, dass Sie mit Ihrer Photovoltaik keine Gewinne erwirtschaften wollen.

Welche Voraussetzungen müssen für Photovoltaik-Liebhaberei erfüllt sein?

Für die Anwendung der Vereinfachungsregelung bei Photovoltaik müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die Gesamtleistung der Anlage darf nicht größer als 10 kWp sein.
  • Die PV-Anlage muss auf dem eigenen Hausdach bzw. Grundstück installiert sein.
  • Sie selbst müssen in dem Haus oder auf dem Grundstück wohnen (gelegentliche Mieteinnahmen liegen unter 520 € im Jahr).
  • Der Strom wird selbst verbraucht.
  • Sie dürfen mehrere Anlagen, zum Beispiel auf einem nicht vermieteten Ferienhaus, haben, solange die Gesamtleistung 10 kWp nicht übersteigt.
  • Die Anlage wurde nach dem 31.12.2003 in Betrieb genommen -> Der Antrag muss bis zum Ablauf des Veranlagungszeitraums, der auf das Jahr der Inbetriebnahme folgt, gestellt werden.
  • Die Anlage wurde vor dem 01.01.2004 in Betrieb genommen -> Der Antrag muss bis zum 31.12.2022 gestellt werden.

Welche Auswirkung hat die Einstufung als Liebhaberei?

Wird Ihre PV-Anlage als Liebhaberei eingestuft, müssen Sie keine EÜR (Einnahmenüberschussrechnung) der Einkommensteuererklärung beifügen. Die Einnahmen durch die Einspeisevergütung werden so nun nicht mehr mit der Einkommenssteuer belastet. Das Gleiche gilt für den eigengenutzten Strom.

Doch Vorsicht! Liebhaberei bei Photovoltaik kann sich auch nachteilig auswirken.

Die Anschaffungs- und Installationsausgaben Ihrer PV-Anlage können Sie über 20 Jahre im Rahmen einer Abschreibung steuerlich als Kosten ansetzen. Als absetzbare Kosten zählen ebenfalls angefallene Kreditzinsen, Betriebskosten und Versicherungsbeiträge. 

Nehmen Sie die Vereinfachungsregelung in Anspruch, dann betrachtet das Finanzamt Ihre PV-Anlage steuerlich neutral. Das heißt, ein Abzug von Kosten ist dann ebenfalls nicht mehr möglich und könnte sogar rückwirkend in älteren Steuerbescheiden korrigiert werden!

Liebhaberei bedeutet keine Einkommenssteuer, aber auch keine steuerlichen Vorteile durch die Absetzung der Kosten. 

Stellen Sie einen Antrag auf fehlende Gewinnerzielung für eine bereits bestehende Anlage (seit 2004 in Betrieb genommen) sollten Sie prüfen lassen, ob die Liebhabereiregelung zu einer Steuernachzahlung führt. 

Ausschlaggebend für eine Steuernachzahlung ist, ob Sie in Ihrer Steuererklärung bereits Verluste für Ihre Angabe geltend gemacht haben. Denn der Antrag gilt auch rückwirkend für Steuerjahre, die noch offen sind und wo der Steuerbescheid noch geändert werden kann. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn noch ein Vorbehalt der Nachprüfung gemäß § 164 AO, eine Vorläufigkeit gemäß § 165 AO oder ein Einspruch anhängig ist.

Wie und wo stelle ich den Antrag für die Vereinfachungsregelung?

Einen Antrag auf Liebhaberei für Ihre PV-Anlage stellen Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt. Sie beantragen die „Anwendung der Vereinfachungsregelung“, weil Sie „Keine Gewinnerzielungsabsicht bei kleinen Photovoltaikanlagen“ haben.

Der Antrag wird schriftlich und formfrei gestellt. Eine Mustervorlage können Sie bei der Finanzverwaltung herunterladen. Aus Vereinfachungsgründen wird der Antrag ohne weitere Prüfung in allen offenen Veranlagungszeiträumen bewilligt. Er wirkt auch für die Folgejahre.

Vereinfachungsregelung bei Photovoltaik: Praxisbeispiele 

Ein Antrag ist möglich für:

  • Eine PV-Anlage mit einer Leistung von 10 kW/kWp. Der Strom wird ins öffentliche Netz gespeist und teilweise vom Besitzer der Anlage selbst privat genutzt. Ob es ein Einfamilienhaus, Zweifamilienhaus mit einer vermieteten Wohnung oder ein Mehrfamilienhaus mit einer eigens genutzten Wohnung ist, ist dabei egal.
  • Zwei Photovoltaik-Anlagen mit je einer Leistung von 4 kW/kWp auf dem eigens bewohnten Haus und auf einem nicht vermieteten Ferienhaus.
  • Eine Anlage mit 8 kW/kWp auf dem eigens genutzten Haus. Das Haus hat ein Arbeitszimmer, welches für nichtselbstständige Tätigkeiten genutzt wird oder ein Zimmer, das an Touristen für 520 € im Jahr vermietet wird.

Ein Antrag ist nicht möglich für:

  • Zwei Photovoltaikanlagen mit je einer Leistung von 5,5 kW/kWp auf einem eigens genutzten Haus und einem nicht vermieteten Ferienhaus. Ein separater Antrag für eine der beiden Anlagen ist ebenfalls nicht möglich.
  • Eine Anlage mit 9 kW/kWp Leistung auf dem eigens bewohnten Hausdach mit einem Arbeitszimmer, das für selbstständige Tätigkeiten genutzt wird, ohne dass es einen separaten Stromanschluss hat.
  • Eine Anlage mit 6 kW/kWp Leistung auf dem eigenen Hausdach, in welchem ein Zimmer an Touristen für 530 € jährlich vermietet wird.

Was gilt für die Umsatzsteuer bei Liebhaberei?

Die Liebhabereiregelung wirkt sich nicht auf die umsatzsteuerliche Behandlung Ihrer Photovoltaik-Anlage aus. Hier können Sie weiterhin wählen, ob Sie zur Regelung als Kleinunternehmer optieren oder auf die Umsatzsteuerpflicht setzen wollen.

Fazit

Bei Anmeldung der Photovoltaik als Liebhaberei entfällt die Einkommensteuer. Die Voraussetzungen dafür sind: Ihre PV-Anlage darf nicht mehr als 10 kWp leisten, Sie müssen selbst in dem Haus wohnen, die PV-Anlage wurde nach 2003 in Betrieb genommen. Sie dürfen bei dieser Vereinfachungsregelung dann allerdings auch keine Kosten steuerlich gelten machen. 

Der Antrag selbst kann formlos beim Finanzamt eingereicht werden. Die Anmeldung Ihrer PV-Anlage als Liebhaberei gilt auch rückwirkend auf die letzten eventuell noch offenen Steuerjahre. Eine Auswirkung auf die Umsatzsteuer hat die Anmeldung der Liebhaberei nicht.

Sind Sie auf der Suche nach einem qualifizierten Fachbetrieb für Photovoltaik? Füllen Sie das untere Formular aus und wir verbinden Sie mit bis zu fünf geprüften Fachunternehmen aus Ihrer Region. Vergleichen Sie die Angebote und sparen dabei bis zu 30%!

>