Stellen Sie sich vor, Ihr Elektroauto versorgt Ihr Zuhause mit Strom, senkt Ihre Stromrechnung und stabilisiert sogar das öffentliche Netz. Das ist keine ferne Zukunftsmusik, sondern die Realität des bidirektionalen Ladens. Erfahren Sie hier, wie Sie davon profitieren können.
Das Wichtigste zuerst
- Bidirektionales Laden ermöglicht das Entladen der E-Auto-Batterie.
- Es gibt die Varianten Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G).
- Sie benötigen ein kompatibles E-Auto und eine kompatible Wallbox für bidirektionales Laden.
- Die Kosten für das bidirektionales Laden liegen zwischen 4.500 und 10.000 €.
- Die Technologie erhöht den Eigenverbrauch und senkt Stromkosten erheblich.
Was ist bidirektionales Laden und wie funktioniert es?
Bidirektionales Laden bedeutet, dass der Strom in zwei Richtungen fließen kann. Ihr Elektroauto kann also nicht nur Strom aus dem Netz aufnehmen, sondern auch wieder zurück ins Hausnetz (Vehicle-to-Home) oder sogar ins öffentliche Stromnetz (Vehicle-to-Grid) abgeben. Dafür ist eine technische Umwandlung notwendig, da die Autobatterie Gleichstrom (DC) speichert, das Hausnetz aber Wechselstrom (AC) nutzt. Diese Aufgabe übernimmt ein spezieller Wechselrichter, der entweder im Auto oder in der bidirektionalen Wallbox integriert ist.

Bei Vehicle-to-Home (V2H) versorgt Ihr E-Auto Ihr eigenes Haus mit Strom. Sie nutzen den in der Autobatterie gespeicherten Solarstrom abends oder bei Stromausfall. Bei Vehicle-to-Grid (V2G) speist Ihr E-Auto Strom ins öffentliche Netz ein. Sie können damit Geld verdienen und helfen, das Stromnetz zu stabilisieren.
Was sind die Voraussetzungen?
Nicht jedes Elektroauto und nicht jede Wallbox kann bidirektional laden, die richtige Auswahl der Modelle ist also entscheidend. Sie benötigen ein kompatibles Gesamtsystem, das aufeinander abgestimmt ist. Die wichtigsten Voraussetzungen sind:
- Bidirektional ladefähiges Elektroauto: Immer mehr Modelle unterstützen diese Funktion. Dazu gehören aktuelle Fahrzeuge von VW (ID.-Serie), Cupra, Škoda, Ford, Hyundai, Kia und Volvo. Achten Sie auf die Herstellerangaben und die verwendete Software.
- Bidirektionale Wallbox: Sie benötigen eine spezielle DC-Wallbox, die den Strom aus der Autobatterie umwandeln und zurückspeisen kann. Reine AC-Wallboxen sind hierfür nicht geeignet.
- Smart Meter: Der intelligente Stromzähler erfasst den Verbrauch und die Erzeugung von Strom in Echtzeit und ist Voraussetzung für die Nutzung dynamischer Strompreistarife. Das Messsystem übermittelt die Daten im Minutentakt an den Netzbetreiber und an das Energiemanagementsystem im Haushalt.
- Intelligentes Energiemanagementsystem (HEMS): Ein solcher Energiemanager steuert die Energieflüsse in Ihrem Haus. Das System entscheidet, wann der Strom aus der PV-Anlage ins Auto fließt und wann das Auto das Haus versorgt, um den Eigenverbrauch zu maximieren.
- Kommunikationsstandard ISO 15118-20: Dies ist die Norm, die eine reibungslose Kommunikation zwischen Auto, Wallbox und Netz sicherstellt. Viele Hersteller haben die Implementierung ab 2025 angekündigt.
Für wen ist bidirektionales Laden mit Wallbox sinnvoll?
Bidirektionales Laden ist besonders für Eigenheimbesitzer mit einer Photovoltaikanlage und einem Elektroauto sinnvoll. Wenn Sie zusätzlich eine Wärmepumpe betreiben oder über einen Smart Meter dynamische Stromtarife nutzen, können Sie das Potenzial voll ausschöpfen. Der Hauptgrund ist die massive Erhöhung Ihres Eigenverbrauchs. Sie speichern den überschüssigen Solarstrom vom Tag in Ihrer großen Autobatterie und nutzen ihn abends und nachts im Haushalt. Das reduziert Ihren teuren Netzbezug und führt zu einer erheblichen Stromkostenersparnis.

Zum Vergleich: Ein typischer Stromspeicher für ein Einfamilienhaus hat eine Kapazität von 8 bis 15 kWh. Die Batterie eines modernen Elektroautos speichert mit 50 bis 100 kWh ein Vielfaches dieser Energiemenge. Ihr E-Auto wird so zum leistungsstarken und kosteneffizienten Heimspeicher auf Rädern.
Was sind die Vor- und Nachteile?
Bidirektionales Laden bietet enorme finanzielle Vorteile und erhöht Ihre Energieunabhängigkeit, erfordert aber hohe Anfangsinvestitionen und eine sorgfältige Planung. Die Technologie steht noch am Anfang, weshalb die Auswahl an kompatiblen Komponenten begrenzt ist und die Installation komplex sein kann.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| deutlich höhere Stromkostenersparnis | hohe Anschaffungskosten für die Wallbox |
| Maximierung des Eigenverbrauchs | geringe Auswahl an kompatiblen E-Autos |
| größere Unabhängigkeit vom Stromnetz | Komplexität bei Installation und Einrichtung |
| Notstromversorgung bei Stromausfall | mögliche Auswirkungen auf die Batterielebensdauer |
| Beitrag zur Netzstabilität (V2G) | fehlende standardisierte Protokolle |
Welche gesetzlichen Regelungen muss ich beachten?
Die wichtigste gesetzliche Regelung ist die technische Norm ISO 15118-20, die die Kommunikation für das bidirektionale Laden standardisiert. Eine erfreuliche Nachricht für Sie ist, dass für Strom, der aus der E-Auto-Batterie zurück ins Netz gespeist wird, keine Netzentgelte anfallen. Die Bundesregierung plant für 2026 weitere Gesetzesänderungen, um in Deutschland die Marktintegration von bidirektionalen Ladekonzepten zu erleichtern und rechtliche Hürden abzubauen. Es wird erwartet, dass damit auch neue Geschäftsmodelle für V2G attraktiver werden.
Was kostet bidirektionales Laden?
Die Kosten für eine bidirektionale Ladeinfrastruktur liegen derzeit zwischen 3.000 und 6.000 €. Der Preis hängt stark vom Hersteller und vom Funktionsumfang der Wallbox ab. Hinzu kommen die Kosten für die Installation durch einen Fachbetrieb von bis zu 2.500 € sowie eventuell notwendige Anpassungen an Ihrer Hauselektrik und die Integration eines Energiemanagementsystems für 1.500 €.
| Kostenstelle | Kosten |
|---|---|
| bidirektionale DC-Wallbox | 3.000 – 6.000 € |
| Installation und Inbetriebnahme | 1.000 – 2.500 € |
| Energiemanagementsystem (HEMS) | 500 – 1.500 € |
| Gesamtkosten | 4.500 – 10.000 € |
Wie viel kann ich durch bidirektionales Laden sparen?
Sie können durch bidirektionales Laden jährlich mehrere hundert Euro an Stromkosten sparen. Die genaue Ersparnis hängt von Ihrem Stromverbrauch, der Größe Ihrer PV-Anlage, Ihrem Fahrprofil und Ihrem Energiemanagementsystem ab. Durch die zeitliche Verschiebung von Verbrauch und Speicherung des Stroms können Sie Ihren Eigenverbrauch deutlich erhöhen und so den teuren Zukauf von Netzstrom erheblich senken.
Im Folgenden finden Sie eine Beispielrechnung, die die mögliche Ersparnis einer PV-Anlage mit Batteriespeicher sowie bidirektionaler Wallbox und E-Auto zeigt:
| Variable | PV-Anlage mit Speicher | PV-Anlage mit Speicher, Wallbox & E-Auto |
|---|---|---|
| jährlicher Stromverbrauch | 7.000 kWh | 7.000 kWh |
| Nennleistung PV-Anlage | 7 kWp | 7 kWp |
| jährliche Stromerzeugung | 7.000 kWh | 7.000 kWh |
| Nennleistung PV-Speicher | 8 kWh | 8 kWh |
| Speicherkapazität E-Auto | – | 50 kWh |
| Anschaffungskosten | 15.000€ | 22.000€ |
| Netzbezug | 2.800 kWh (40%) | 1.750 kWh (25%) |
| Strompreis | 30 ct/kWh | 30 ct/kWh |
| Netzeinspeisung | 2.800 kWh | 1.750 kWh |
| Einspeisevergütung | 7,78 ct/kWh | 7,78 ct/kWh |
| Eigenverbrauch | 4.200 kWh (60%) | 5.250 kWh (75%) |
| Stromkosten Netzbezug | 840 €/Jahr | 525 €/Jahr |
| Einnahmen Einspeisevergütung | 218 €/Jahr | 136 €/Jahr |
| Stromkosten, gesamt | 622 €/Jahr | 389 €/Jahr |
| Ersparnis Stromkosten | – | 233 €/Jahr |
In unserem Beispiel reduzieren sich die Stromkosten durch das bidirektionale Laden um gut 200 € pro Jahr. Allerdings amortisieren sich die Mehrkosten gegenüber einer PV-Anlage mit Speicher erst innerhalb von 30 Jahren.
Im Beispiel rechnen wir mit konstanten Strompreisen. Unter Berücksichtigung steigender Strompreise und möglicher Erlöse aus netzdienlicher Nutzung würde sich die Amortisationszeit deutlich verkürzen. Zudem ist mit zunehmender Adaptation dieser Technologie damit zu rechnen, dass die Investition geringer ausfällt und profitabler gestaltet wird.
Kann ich bidirektionales Laden nachrüsten?
Ein Nachrüsten für bidirektionales Laden ist theoretisch möglich, aber in der Praxis sehr aufwendig und teuer. Sowohl das Elektroauto als auch die Wallbox müssen hardware- und softwareseitig dafür ausgelegt sein. Bei den meisten derzeit auf dem Markt befindlichen E-Autos und Wallboxen ist dies nicht der Fall. Daher ist es sinnvoller, die bidirektionale Ladefähigkeit direkt beim Kauf eines neuen Elektroautos und der passenden Wallbox einzuplanen.
Welche Erfahrungen machen User mit bidirektionalem Laden?
Erste Praxistests zeigen, dass die Technologie funktioniert, aber noch Kinderkrankheiten hat. Im Projekt Smart East Karlsruhe wurde ein VW ID.4 erfolgreich bidirektional geladen, jedoch gab es anfangs Softwareprobleme. Die größte Herausforderung ist die fehlende Standardisierung. Das Zusammenspiel zwischen Auto, Ladestation und Energiemanagement verschiedener Hersteller ist oft noch nicht reibungslos. Nutzer berichten, dass die Interoperabilität ein zentrales Problem darstellt, da beispielsweise eine Wallbox von E3/DC derzeit nur mit VW-Fahrzeugen zuverlässig kommuniziert.
Bei welchen Anbietern kann ich bidirektionale Wallboxen kaufen?
Der Markt für bidirektionale Wallboxen beginnt sich gerade erst zu entwickeln, daher ist die Auswahl noch begrenzt. Einige spezialisierte Hersteller bieten bereits erste Modelle an oder haben diese für die nahe Zukunft angekündigt. Die bekanntesten Anbieter sind derzeit Wallbox, Enphase, E3/DC und Ambibox.
| Hersteller | Modell | Herkunftsland |
|---|---|---|
| Wallbox | Quasar 2 | Spanien |
| Enphase | IQ Bidirectional EV Charger | USA |
| E3/DC | Hauskraftwerk S10 E Compact | Deutschland |
| Ambibox | ambiCHARGE Home | Deutschland |
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