PV-Anlage: Lohnt sich die Ost-West-Ausrichtung bei Photovoltaik?

Kai Janßen
Zuletzt aktualisiert: 30/09/2022

Photovoltaik lohnt sich auch bei einer Ost-West-Ausrichtung. Die PV-Anlage erzielt immer noch rund 85 bis 90 % des Ertrags einer Südanlage. Der meiste Strom wird dabei morgens und abends erzeugt. Die Ost-West-PV-Anlage ist damit bestens geeignet, wenn hoher Eigenverbrauch angestrebt wird. Bei Flachdächern kann eine Ost-West-Ausrichtung sogar effizienter sein als die Südausrichtung.

Vor einigen Jahren war der Ertrag von Solarmodulen deutlich niedriger als heute und die Kosten wesentlich höher. Die Einspeisevergütung war mit 40 bis 50 Cent pro kWh dafür sehr hoch. Es lohnte sich daher, möglichst viel Solarstrom zu erzeugen und diesen komplett zu verkaufen. Eine Südostausrichtung war dafür am meisten geeignet.

Heute sind die Photovoltaik-Preise günstiger, die PV-Module erzeugen mehr Strom, aber es gibt kaum noch Geld für die Einspeisung, obwohl die Stromkosten so hoch wie noch nie sind. Es lohnt sich daher jetzt mehr als jemals zuvor auf Eigenverbrauch zu setzen. 

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Wie hoch ist der Ertrag einer PV-Anlage mit Ost-West-Ausrichtung?

Der Ertrag pro PV-Modul ist mit 82 bis 87 % des Optimums (Südausrichtung) bei einer Ost-West-Photovoltaik niedriger. Dafür können beide Dachhälften mit Solarmodulen ausgestattet werden. Je mehr Photovoltaikmodule verbaut werden, desto höher der Ertrag. Dabei erzeugt die Ostseite über das gesamte Jahr denselben Stromertrag wie die Westseite

Photovoltak-Neigungswinkel-Tabelle

Ist die PV-Anlage nicht exakt nach Ost-West ausgerichtet, erzeugen die beiden Dachhälften unterschiedliche Erträge. 

Beispiel bei einem Neigungswinkel von 30°:  Eine Dachhälfte zeigt nach 70° Süd-Ost, die andere nach 110° Nord-West. Die Süd-Ost-Ausrichtung erzeugt 88 % des maximalen Ertrages, die Nord-West-Seite erzeugt 75 %. Zusammen ergibt das aber immer noch 81,5 % des optimalen Ertrages.

Der Ertrag einer PV-Anlage mit Ost-West-Ausrichtung im Tagesverlauf  

Der Ertrag einer PV-Anlage mit Ost-West-Ausrichtung beginnt im Tagesverlauf bereits früher und dauert länger an. Vormittags erzeugt die Ostseite den meisten Strom, nachmittags die Westseite. Das macht den Verbrauch des Solarstroms leicht planbar. Um die Mittagszeit erzeugen beide Seiten Strom und der Ertrag ist am höchsten. 

Dadurch, dass die PV-Anlage früher am Tag Strom produziert, kann der eigene Solarstrom auch am frühen Morgen genutzt werden. Das Gleiche gilt für den Nachmittag und Abend. In der Regel sind dies die Zeiten, in denen Haushalte den meisten Strom verbrauchen. Sie können also Ihren Eigenverbrauch besser decken.

Ost-West-Ausrichtung im Tagesverlauf

Optimale Neigung der PV-Module bei Ost-West-Ausrichtung

Morgens (Osten) und abends (Westen) steht die Sonne tiefer am Himmel, dementsprechend sollten auch die PV-Module flacher geneigt sein. Neigungen von 0° bis 30° sind hier optimal. Das liegt daran, dass die höchsten Erträge erreicht werden, wenn die Sonnenstrahlen in einem 90° Winkel auf die Solarmodule treffen. 

PV-Anlage Süd oder Ost-West? 

Bei gleicher Modulanzahl ist der Stromertrag einer Südanlage am höchsten. Bei Ost-West können Sie allerdings die doppelte Anzahl an Solarmodulen installieren und dadurch höheren Solarertrag erwirtschaften. Zudem erzeugt Ost-West-Photovoltaik morgens und abends Strom, der direkt verbraucht wird. 

Bei einer Südanlage ist die Stromproduktion mittags am höchsten. Ohne Stromspeicher entsteht ein großer Überschuss, der zu einer niedrigen Vergütung eingespeist werden muss

Photovoltaik Ost-West und der Eigenverbrauch

Eine Photovoltaik mit Ost-West-Ausrichtung eignet sich bestens für den Eigenverbrauch. In durchschnittlichen Haushalten besteht der größte Anteil des Strombedarfs am Vormittag und am Abend, genau dann, wenn die PV-Anlage den Solarstrom erzeugt. Mit einer Ost-West-Photovoltaik kann deshalb der Eigenverbrauch deutlich erhöht werden. 

Ein hoher Eigenverbrauch trägt automatisch zu einer besseren Wirtschaftlichkeit und Rendite der Solaranlage bei. Denn je mehr Solarstrom selbst verbraucht wird, desto weniger Strom muss teuer aus dem Netz hinzugekauft werden. Hoher Eigenverbrauch bedeutet also höhere Einsparung.

Der richtige Wechselrichter bei Ost-West-Ausrichtung 

Bei PV-Anlagen mit Ost-West-Ausrichtung kann der Wechselrichter leicht unterdimensioniert werden. Die Photovoltaikanlage erzeugt über den Tag fast konstant den gleichen Stromertrag. Es kommt also zu keinen Spitzenzeiten, in denen der Ertrag wesentlich höher ist. Ein Stringwechselrichter eignet sich gut für kleinere Anlagen und ist kostengünstig.

Stringwechselrichter eignen sich für Ost-West-Anlagen, da sie zwei oder mehrere MPP-Tracker (Maximum Power Point Tracker) haben. So benötigen Sie nur einen Wechselrichter für beide Dachhälften.

Welche Solarmodule bei Ost-West-Ausrichtung

Auf einem Einfamilienhaus mit Ost-West-Ausrichtung und dem jährlichen Stromverbrauch von 3.500-4.000 kWh reichen Solarmodule mit 300-360 Wp aus. Ist die Dachfläche klein oder der Stromverbrauch hoch, sollten leistungsstärkere Module gewählt werden. Welche Solarmodule bei einer Ost-West-Ausrichtung am besten geeignet sind, hängt von der verfügbaren Dachfläche und dem individuellen Eigenverbrauch ab.

Schauen Sie sich unseren Solarmodul Test und Vergleich an. Dort finden Sie die passenden PV-Paneele für Ihr Dach. 

Ost-West-Ausrichtung bei Flachdach-Photovoltaik?

Auf Flachdächern lohnt sich eine Photovoltaik mit Ost-West-Ausrichtung besonders. Es kann sogar ein Mehrertrag von bis zu 40 % gegenüber einer Südausrichtung erzielt werden. Die Solarmodule werden flacher aufgeständert, so reicht bereits ein geringer Abstand zwischen den Reihen, um eine Selbstverschattung der Photovoltaik-Module zu vermeiden. 

Richtet man die PV-Module auf einem Flachdach dagegen Richtung Süden aus, benötigen sie größere Abstände. Das liegt an dem steileren Neigungswinkel und der Aufständerung der Module. Das heißt, es passen auch weniger Module auf das Dach.

Vor- und Nachteile einer Ost-West-Ausrichtung

Ein Vor- und zugleich Nachteil einer Ost-West-Ausrichtung besteht darin, dass beide Dachhälften mit Solarmodulen belegt werden können. Die Module werden zwar bei steigender Stückzahl günstiger, dennoch entstehen etwas höhere Kosten. Dafür kann beim Wechselrichter wiederum gespart werden. Ein kleinerer und demnach günstigerer Wechselrichter reicht nämlich aus.

Flachdächer eignen sich bestens für eine Ost-West-Photovoltaik. Bei Satteldächern muss jedoch beachtet werden, dass die Neigung des Daches nicht zu steil ist. Größter Vorteil einer Ost-West-PV ist wohl der gesteigerte Eigenverbrauch und demnach die höhere Einsparung bei den Stromkosten.

VorteileNachteile
beide Dachhälften mit Modulen ausgestattetgeringerer Ertrag
höherer Eigenverbrauchmehr Module müssen gekauft werden
günstigerer WechselrichterDächer müssen flache Neigung haben
super für Flachdächer
Stromerzeugung beginnt früh und dauert länger an

Fazit

Schauen Sie sich Ihren Strombedarf über den Tag oder die Woche an. Wann verbrauchen Sie am meisten Ihren Strom? Überprüfen Sie außerdem die Neigung und auch die verfügbare freie Fläche auf Ihrem Dach. Reicht diese? Passen die Faktoren, kommt für Sie eventuell eine Solaranlage mit Ost-West-Ausrichtung infrage.

Lassen Sie sich dennoch immer von einem Solarteur oder einer Fachfirma beraten. Wenn Sie unser Formular ausfüllen, erhalten Sie kostenlos und unverbindlich Angebote von Firmen in Ihrer Region. Der Angebotsvergleich lohnt sich.