Die Hochtemperatur-Wärmepumpe verspricht Abhilfe in sanierungsbedürftigen Gebäuden, um von Heizungen mit fossilen Brennstoffen loszukommen. Doch ist sie wirklich die Lösung für unsanierte Gebäude oder nur eine teure und ineffiziente Notlösung? Hier erfahren Sie alles über Kosten, Stromverbrauch und Wirtschaftlichkeit.
Das Wichtigste zuerst
- Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen Vorlauftemperaturen von bis zu 80°C.
- Sie sind für unsanierte Altbauten mit Baujahr vor 1960 und herkömmliche Heizkörpern geeignet.
- Der Stromverbrauch von Hochtemperatur-Wärmepumpen ist höher als bei normalen Wärmepumpen.
- Die Kosten liegen zwischen 15.000 und 30.000 €.
- Trotz höherer Kosten kann sie sich wirtschaftlich aufgrund von Förderungen lohnen.
Was sind Hochtemperatur-Wärmepumpen und wie funktionieren sie?
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ist eine spezielle Wärmepumpe, die Vorlauftemperaturen von über 70°C erreicht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Wärmepumpen, die meist bei 55°C arbeiten, nutzt sie spezielle Kältemittel oder einen zweiten Kältekreislauf (Zweikreis-System). Moderne Modelle mit dem Kältemittel Propan (R290) erreichen ebenfalls hohe Temperaturen und benötigen dafür nur einen Kältekreis. So können auch ältere Gebäude mit bestehenden Heizkörpern effizient beheizt werden.
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe funktioniert wie eine herkömmliche Wärmepumpe: Sie entzieht Wärme aus der Umgebung und hebt sie auf ein höheres Temperaturniveau. Nur liegt dieses Temperaturniveau noch höher als bei normalen Wärmepumpen.
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Wann ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau sinnvoll?
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ist für Altbauten mit Baujahr vor 1960 sinnvoll, denn diese Gebäude weisen einen besonders hohen Energiebedarf auf. Sie ist für hohe Vorlauftemperaturen von 70 °C bis 80 °C ausgelegt und kann so auch bei geringer Dämmung für ausreichend Wärme sorgen. Die meisten Anlagen sind für eine Vorlauftemperatur von 75 °C optimiert, was für die meisten unsanierten Altbauten ausreicht. Neben Ein- und Zweifamilienhäusern sind Hochtemperatur-Wärmepumpen auch im Mehrfamilienhaus einsetzbar.

Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen hohe Vorlauftemperaturen, die in Altbauten mit alten Heizkörpern oft nötig sind (© Stefan_Weis/stock.adobe.com)
Welchen Stromverbrauch haben Hochtemperatur-Wärmepumpen?
Der Stromverbrauch einer Hochtemperatur-Wärmepumpe liegt durchschnittlich bei 8.000 bis 10.000 kWh pro Jahr. Je höher die Vorlauftemperatur, desto mehr Strom braucht es, um die gewünschte Wärme im Gebäude zu erzeugen. Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von maximal 3,0, der COP-Wert reicht von 2 bis 3,5. Herkömmliche Wärmepumpen erreichen eine JAZ zwischen 3,0 und 5,5, weswegen sie wirtschaftlich die bessere Wahl sind.
Vorlauftemperatur Jährlicher Stromverbrauch
60°C ca. 7.500 kWh
65°C ca. 8.200 kWh
70°C ca. 9.000 kWh
75°C ca. 9.800 kWh
80°C ca. 10.700 kWh
Im Vergleich zu einer herkömmlichen Wärmepumpe, die in einem sanierten Altbau mit Fußbodenheizung etwa 4.000 bis 5.000 kWh pro Jahr verbraucht, ist der Stromverbrauch einer Hochtemperatur-Wärmepumpe fast doppelt so hoch. Dennoch ist sie verglichen mit einer alten Öl- oder Gasheizung immer noch die sparsamere Alternative.
Was kostet eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?
Die Kosten einer Hochtemperatur-Wärmepumpe liegen durchschnittlich zwischen 16.000 und 30.000 €. Für die Anschaffung zahlen Sie 12.000 bis 18.000 €. Die Installation kostet 2.000 bis 7.000 € und die Umbauarbeiten an der vorhandenen Heizungsanlage schlagen mit 2.000 bis 5.000 € zu Buche.
| Kostenstelle | Luftwärmepumpe |
|---|---|
| Anschaffungskosten | 12.000 – 18.000 € |
| Installationskosten | 2.000 – 7.000 € |
| Umbaukosten | 2.000 – 5.000 € |
| Gesamtkosten | 16.000 – 30.000 € |
Die durchschnittlichen Stromkosten für eine Hochtemperatur-Wärmepumpe liegen im Altbau zwischen 2.000 und 3.000 € pro Jahr. Diese Kosten können durch einen günstigen Wärmepumpenstromtarif und die Kombination mit einer PV-Anlage weiter gesenkt werden.
Beim Austausch einer alten Heizung können Sie eine staatliche Förderung von bis zu 70% erhalten, was die Investitionskosten erheblich senkt. Förderfähig sind Hochtemperatur-Wärmepumpen, wenn sie eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von mindestens 3,0 erreichen. Diese Förderung wirkt sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe aus.
Lohnt sich eine Hochtemperatur-Wärmepumpe wirtschaftlich?
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe kann sich trotz der höheren Kosten lohnen. Dank der hohen Förderung für Wärmepumpen und der Einsparungen bei den Betriebskosten amortisiert sie sich im Vergleich zu einer neuen Gasheizung nach etwa 5 bis 10 Jahren. Langfristig sparen Sie mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe mehrere tausend Euro und heizen zudem klimafreundlich.
Schauen wir uns in einer Beispielrechnung die Wirtschaftlichkeit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe im Zuge eines Heizungstauschs gegenüber der Erneuerung einer Gasheizung genauer an. Für den Vergleich nehmen wir einen unsanierten Altbau mit 150 Quadratmetern mit einem jährlichen Energiebedarf von 180 kWh/m2 an sowie einen Zuschuss von 55% der Investitionskosten für die Wärmepumpe.
| Variable | Hochtemperatur-WP | Gasheizung |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten (brutto) | 25.000 € | 8.000 € |
| Förderung (55%) | −13.750 € | 0 € |
| Anschaffungskosten (netto) | 11.250 € | 8.000 € |
| Wirkungsgrad | 300% | 98% |
| Wärmebedarf | 27.000 kWh/Jahr | 27.000 kWh/Jahr |
| Energieverbrauch | 9.000 kWh/Jahr | 27.550 kWh/Jahr |
| Energiepreis | 0,28 €/kWh (mit Wärmepumpenstromtarif) | 0,12 €/kWh |
| Jährliche Heizkosten | 2.520 € | 3.310 € |
| Wartungskosten pro Jahr | 200 € | 250 € |
| Betriebskosten pro Jahr | 2.720 € | 3.560 € |
| Gesamtkosten nach 1 Jahr | 13.970 € | 11.560 € |
| Gesamtkosten nach 5 Jahren | 24.850 € | 25.800 € |
| Gesamtkosten nach 10 Jahren | 38.450 € | 43.600 € |
| Gesamtkosten nach 15 Jahren | 52.050 € | 61.400 € |
| Gesamtkosten nach 20 Jahren | 65.650 € | 79.200 € |
In unserem Beispiel amortisiert sich die Hochtemperatur-Wärmepumpe durch den hohen Zuschuss bereits nach dem fünften Jahr. Nach 20 Jahren haben Sie mit der Hochtemperatur-Wärmepumpe über 13.500 € gespart. Langfristig profitieren Sie von geringeren Betriebskosten und der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Welche Erfahrungen machen Nutzer mit Hochtemperatur-Wärmepumpen?
Die Erfahrungen der Nutzer mit Hochtemperatur-Wärmepumpen sind gemischt. Zum Beispiel berichten einige Nutzer im Haustechnikdialog-Forum, dass eine Hochtemperatur-Wärmepumpe bei hohen Vorlauftemperaturen von 60 bis 65°C zwar funktioniere, aber unwirtschaftlich sei. Andere empfehlen, erst die Vorlauftemperatur durch größere Heizkörper oder Konvektoren zu senken, bevor man eine teure Hochtemperatur-Wärmepumpe einbaut. Moderne Propan-Wärmepumpen (R290) könnten auch bei 55 bis 60°C noch eine gute Jahresarbeitszahl von 3 erreichen.
Im Heizungsforum wird ebenfalls diskutiert, ob eine Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau sinnvoll ist. Ein Nutzer berichtet, dass er mit einer modernen Propan-Wärmepumpe und einer Vorlauftemperatur von 55°C gute Erfahrungen gemacht habe. Ein anderer Nutzer rät davon ab und empfiehlt stattdessen eine Teilsanierung, um die Vorlauftemperatur zu senken und eine normale Wärmepumpe einsetzen zu können.
Gibt es Tests?
Die von ventury entwickelte Kaskadenwärmepumpe (KWP) wird derzeit in einem Langzeittest untersucht. Sie erreicht Vorlauftemperaturen von bis zu 90°C und hat im Testbetrieb bereits über 600 MWh Wärme erzeugt. Die Marktreife ist aber noch nicht absehbar, da noch Optimierungen bei Kältemittel und Gehäusekonzeption nötig sind.
Welche Hersteller bieten Hochtemperatur-Wärmepumpen an?
Einige der bekanntesten Hersteller wie Viessmann, Vaillant und Buderus bieten Hochtemperatur-Wärmepumpen an. Die meisten Modelle erreichen Vorlauftemperaturen von 70 bis 80 °C. Einige wenige Modelle schaffen sogar bis zu 90 °C, sind aber eher für gewerbliche Anwendungen gedacht.
| Hersteller | Herkunftsland | Vorlauftemperatur (max.) |
|---|---|---|
| Viessmann | Deutschland | 70°C |
| Vaillant | Deutschland | 75°C |
| Buderus | Deutschland | 75°C |
| Daikin | Japan | 80°C |
| Mitsubishi Electric | Japan | 70°C |
| Kroll | Deutschland | 90°C (Kaskade) |
Sind Hochtemperatur-Wärmepumpen für Einrohrheizungen sinnvoll?
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe kann für Einrohrheizungen sinnvoll sein. Einrohrheizungen benötigen hohe Vorlauftemperaturen, um alle Heizkörper im Strang ausreichend zu versorgen. Herkömmliche Wärmepumpen können diese Temperaturen oft nicht liefern. Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe kann hier die Lösung sein, um das bestehende Heizsystem ohne aufwendige Sanierung weiter zu nutzen.
Was sind die Vor- und Nachteile?
Der größte Vorteil einer Hochtemperatur-Wärmepumpe ist die Möglichkeit, hohe Vorlauftemperaturen für bestehende Heizkörper im Altbau zu erzeugen. Der größte Nachteil sind die höheren Anschaffungskosten und der höhere Stromverbrauch im Vergleich zu einer herkömmlichen Wärmepumpe. Zudem ist die Auswahl an Modellen geringer. Dennoch kann sie eine wirtschaftliche Alternative zu einer kompletten energetischen Sanierung (Wärmedämmung und Fenstertausch) sein.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| hohe Vorlauftemperaturen bis 80°C möglich | höhere Anschaffungskosten als normale Wärmepumpen |
| bestehende Heizkörper können weiter genutzt werden | höherer Stromverbrauch durch geringere JAZ |
| keine aufwendige Sanierung mit Fußbodenheizung nötig | weniger Auswahl an Modellen und Herstellern |
| staatliche Förderung von bis zu 70% möglich | weniger effizient als herkömmliche Wärmepumpen |
| klimafreundliches Heizen ohne fossile Brennstoffe | höhere Betriebskosten als bei Niedertemperatur-Systemen |
| geeignet für Einrohrheizungen und unsanierte Altbauten | nicht für alle Gebäude die beste Lösung |
Was sind Alternativen?
Die beste Alternative zu einer Hochtemperatur-Wärmepumpe ist eine energetische Teilsanierung des Gebäudes. Durch Maßnahmen wie die Dämmung der obersten Geschossdecke oder den Austausch alter Heizkörper gegen moderne Niedertemperatur-Heizkörper kann die Vorlauftemperatur oft so weit gesenkt werden, dass eine herkömmliche Wärmepumpe ausreicht. Das bestätigte eine Feldstudie vom Fraunhofer ISE. Diese ist in der Anschaffung günstiger und im Betrieb effizienter als eine Hochtemperatur-Wärmepumpe.
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