70-Prozent-Regelung bei PV-Anlagen

Kai Janßen
Juli 24, 2021

Wer eine Photovoltaikanlage besitzt oder betreibt, der sollte unbedingt von der sogenannten 70-Prozent-Regelung - auch Wirkleistungsbegrenzung genannt - wissen.

Mit dieser Regelung ist gemeint, dass nur maximal 70 Prozent der Nennleistung der Photovoltaikanlage in das Stromnetz eingespeist werden darf. Dabei ist keine lose Empfehlung, sondern seit 2012 im § 9 des EEG festgeschrieben. 

Warum gibt es die Wirkleistungsbegrenzung?

Der Grund für die 70-Prozent-Regel ist die Gewährleistung der Stromnetzstabilität, die durch eine Überlastung des Netzes gefährdet wird.

Diese Gefahr besteht insbesondere dann, wenn sich mehrere PV-Anlagen in direkter Umgebung befinden und die Sonne zur Mittagszeit an einem Sommertag strahlt. Dann laufen die Solaranlagen nämlich auf Hochtouren.  

Um dieser Überlastung vorzubeugen, wurde die 70%-Regelung oder Wirkleistungsbegrenzung eingeführt.

Betroffen davon sind Besitzer von PV-Anlagen, die 7 kWp oder mehr produzieren können. Sie sind dazu verpflichtet, einen sogenannten Smart Meter oder eine fernbedienbare Funkrundsteuerung einzubauen, über die sich die Einspeisung ins Netz drosseln lässt.

Allerdings sind solche Geräte recht kostenintensiv und stehen in keinem Verhältnis zum Wert der Anlage selbst. Darum dürfen Sie auf diese verzichten und selber die maximale Einspeiseleistung der PV-Anlage auf 70 Prozent beschränken. Nur dann dürfen Sie Ihren Solarstrom an den Netzbetreiber über die Einspeisevergütung verkaufen. 

Die Grundregel lautet: Keine Einspeisevergütung ohne Wirkleistungsbegrenzung.

Wenn Sie eine Solaranlage anschaffen möchten, dann müssen Sie sich auch mit der Einspeisevergütung auseinandersetzen. Aber was ist eine Einspeisevergütung überhaupt? 

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Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik-Anlage

Eine Drosselung der Leistung auf 70 Prozent hört sich zunächst dramatisch an. Allerdings muss hier zwischen der Einspeiseleistung und Anlagenleistung unterschieden werden, die die Abregelung nur beim ersteren greift.   

  • Einspeiseleistung: Die Menge des Stroms, die in das Stromnetz eingespeist und vergütet wird. 
  • Anlagenleistung: Die gesamte Leistungsfähigkeit Ihrer PV-Anlage - auch Nennleistung genannt. 

Angenommen Sie verfügen über eine PV-Anlage mit einer Anlagenleistung von 5KWp ca. 5.000 kWh im Jahr. Wenn Sie 30 Prozent davon selbst verbrauchen, was 1.500 kWh entspricht, dann bleiben exakt 70 Prozent für die Einspeisung übrig und Sie umgehen die 70%-Regel geschickt. Diese würde nämlich nur dann greifen, wenn der Selbstverbrauch bei weniger als 30 Prozent liegen würde. 

Der Trick, um die 70-Prozent-Regel zu umgehen ist daher ein smarter Umgang mit Eigenverbrauch. 

Ein weitere Aspekt ist, dass Ihrer Anlage kaum die maximale Anlagenleistung erreichen wird. Diese wird nämlich im Labor unter Idealbedingungen ermittelt. In der Praxis werden die Wetterbedingungen jedoch nur selten optimal sein. Zudem sind die wenigsten PV-Anlage optimal ausgerichtet und verfügen über eine perfekte Neigung.

Der optimale Neigungswinkel für Photovoltaik beträgt 90 Grad. Dann treffen die Sonnenstrahlen senkrecht auf Ihre Anlage und sie erzielt die höchsten Erträge.

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Das alles sorgt dafür, dass die Wirkleistungsbegrenzung selten zu Leistungsverlusten der PV-Anlage führt, da sie nur an wenigen Tagen im Jahr (perfekte Witterungsbedingungen) und nur unter bestimmten Voraussetzungen (geringer Eigenverbrauch, perfekte Ausrichtung und Neigung) überhaupt greift. 

So vermeiden Sie die Abregelung

Wie bereits erwähnt, ist der beste Weg um eine Abregelung zu vermeiden, der smarte Umgang mit Eigenverbrauch. 

Ist das nicht möglich, gibt es einige Tricks, wie Sie diese doch verhindern und Ihre Verluste minimieren können.

Ost-West-Ausrichtung

Bei einer Ost-West-Ausrichtung der Photovoltaikanlage ist die Anlage der Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit nicht ausgesetzt. Dadurch arbeitet sie nicht bei voller Leistung und gelangt erst gar nicht an die 70-Prozent-Grenze.

Dazu kommt, dass Ost-West-Anlagen für einen hohen Eigenverbrauch förderlich sind, da sie morgen und abends, wenn alle zuhause sind, am meisten Strom produzieren. Dadurch wird der meiste Strom verbraucht, wenn die Anlage am meisten davon produziert.  

Die Ausrichtung einer Solar PV-Anlage hat einen großen Einfluss auf ihren Ertrag. Sie entscheidet darüber, ob diese rentabel arbeitet und ob eine Investition sich trägt.

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Der Einsatz eines Energiemanagers

Wenn Sie das Optimum aus Ihrer Photovoltaikanlage herausholen möchten, dann empfiehlt sich der Einsatz eines Energiemanagers.

Dieser unterstützt Sie dabei, im richtigen Moment möglichst viel Strom selber zu verbrauchen - noch bevor die PV-Anlage die 70-Prozent-Hürde erreicht. 

Dabei geht der Funktionsumfang weite über das automatische ein- und ausschalten von Geräten hinaus. Ein Energiemanager steuert beispielsweise den Stromspeicher, damit dieser nicht am früher morgen sondern bei voller Leistung der Anlage in der Mittagssonne geladen wird. 

Dadurch sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Regelung besonders bei Inhabern eines Stromspeichers eher gering. Der Eigenverbrauch ist in diesem Falle hoch, die Einspeisung ins Stromnetz fällt eher gering aus.

Smarte Energiespeicher lernen zudem das Verbrauchsverhalten der Bewohner und wissen genau, wann gekocht wird oder wann das Elektroauto geladen werden soll. Die schlauen Geräte tun einfach alles, damit die 70-Prozent-Regelung nicht greift. 

Wenn Sie daher clever mit dem Eigenverbrauch umgehen und auf smartes Zubehör setzen, dann fällt die Abregelung wenig ins Gewicht. Die Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit sind entsprechend niedrig.

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