Die optimale Ausrichtung einer Solar Photovoltaikanlage

Kai Janßen
Zuletzt aktualisiert: 18/11/2021

Die Ausrichtung einer Solaranlage hat einen großen Einfluss auf ihren Ertrag. Sie entscheidet darüber, wie rentabel arbeitet und ob eine Investition sich trägt. 

Ein Beispiel: Wenn eine nach Süden ausgerichtete Photovoltaikanlage 4.000 Kilowattstunden erreicht, sind es bei der Ausrichtung West oder Ost noch ca. 3600 Kilowattstunden. Eine Nordausrichtung würde hingegen lediglich ca. die Hälfte der Leistung bringen und wäre daher nicht rentabel. 

Was ist die optimale Ausrichtung einer Photovoltaik Solaranlage? 

Grundsätzlich ist eine Ausrichtung Ihrer Solaranlage 0 Grad nach Süden die beste Option, da sie dadurch am längsten der Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Dadruch produziert sie die meiste Energie. Moderne Anlagen liefern allerdings auch noch mit Abweichungen von bis zu 30 Prozent in Richtung Osten oder Westen sehr gute Erträge.

Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. Dabei ist sie immer auf der südlichen Hälfte des Himmelzelts. 

Das bedeutet: 

  • Solarmodule, die nach Osten zeigen, erreichen den größten Ertrag morgens. 
  • Solarmodule, die nach Westen zeigen, erreichen den größten Ertrag abends.
  • Solarmodule, die nach Süden zeigen, erreichen den größten Ertrag in der Mittagszeit und produzieren Energie den ganzen Tag.

Photovoltaik zur Nordseite galt lange Zeit als unwirtschaftlich. Mithilfe von neuen Technologien hat sich das mittlerweile geändert. Insbesondere bei diffusem Licht (und davon haben wir in Deutschland eine Menge) arbeiten moderne Solarmodule ohne Verluste. Bei hohem Eigenverbrauch und fehlenden Alternativen bzw. als Ergänzung ist die Nordseite eine Überlegung Wert. 

Photovoltaik auf der Nordseite liefert 30 bis 40 Prozent weniger Strom. Dennoch kann sich eine Nordanlage mittlerweile lohnen - unter bestimmten Voraussetzungen. 

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Ist eine exakte Südausrichtung immer die beste Lösung?

Nein, auch PV-Anlagen mit einer Abweichung von bis zu 30 Prozent nach Westen oder Osten erzielen können noch sehr gute Erträge erzielen. Grundsätzlich eignen sich daher alle Dächer mit einer Ausrichtung Süd-West bis Süd-Ost für Photovoltaik 

Es gibt zudem noch einen Punkt, den Sie unbedingt beachten sollten: Verschattung. Bäume, Hecken und andere Gebäude können einen Schatten auf die Photovoltaikanlage werfen, wodurch ihre Effizienz stark leidet. Aber auch die Bestandteile eines Daches, wie Schornsteine oder Anbauten, können einen Schatten erzeugen und sich ertragsmindernd auswirken. 

In diesem Fall kann eine leicht westliche oder östliche Ausrichtung sinnvoller sein.

Wenn Ihr Dach beispielsweise morgens von einem Berg, der im Süden liegt, verschattet wird, dann kann eine östliche oder westliche Ausrichtung das Problem mildern. Das Dach bekommt dann mehr Sonnenlicht und produziert mehr Strom. 

Im Zweifel ist eine nicht zu 100% akkurate Südausrichtung besser, also eine exakte aber verschattete. Ihre Anlage wird dann immer noch gute Ergebnisse in der West- oder Ostausrichtung liefern.

Photovoltaikanlagen mit einer abweichenden Ausrichtung von 30 Prozent in Richtung Osten oder Westen sind weiterhin rentabel. Leichte Vorteile hat dabei die westliche Richtung, da sie geringfügig bessere Erträge erzeugt. Und auch eine Nordanlage kann unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein - besonders als Ergänzung oder bei fehlender Alternativen. 

Volleinspeisung oder hoher Eigenverbrauch?

Ein weiterer wichtiger Punkt: Eine strikte Südausrichtung wird empfohlen, wenn die Volleinspeisung (der erzeugte Strom wird komplett in das öffentliche Stromnetz eingespeist) des mit Sonnenenergie erzeugten Stroms Priorität hat.

Wenn Sie allerdings einen hohen Eigenverbrauch anstreben, dann sollten Sie darauf achten, zu welcher Tageszeit der Stromverbrauch in die Höhe geht und ob Ihre Anlage dafür ausgerichtet ist. 

Wenn Sie morgens besonders viel Strom verbrauchen, dann mag eine Ausrichtung der Solaranlage gen Osten vorteilhaft sein. Wenn Sie hingegen Abends die meiste Energie Verbrauchen, dann wäre eine Westausrichtung die bessere Option.

Im Klartext heißt das: Wenn der Ertrag aus Eigenverbrauch besonders wichtig ist, dann ist eine südliche Ausrichtung eventuell nicht die beste Option - Ost und West können hier die besseren Alternativen darstellen.

Zusammenhang zwischen der Dachausrichtung und Dachneigung

Sofern keine Verschattung der Anlage zu erwarten ist, können Sie von folgenden Erträgen ausgehen. Diese sind nicht nur von der Ausrichtung, sondern auch der Neigung Ihres Daches abhängig. Sofern man an der Ausrichtung des Daches nach dem Bau nichts mehr ändern kann, lässt sich der Neigungswinkel optimieren - insbesondere auf Flachdächern mit zusätzlichen Aufständerung. 

Grundsätzlich gilt: Je flacher das Dach, desto kleiner fallen die Ertragsunterschiede zwischen den Ausrichtungen aus. 

Photovoltaik Neigungswinkel Tabelle

Photovoltaik Neigungswinkel Tabelle

So ermitteln Sie die optimale Ausrichtung der Photovoltaikanlage

Es gibt viele Optionen, die Ausrichtung Ihrer Anlage zu bestimmen: 

Kompass: Sollten Sie einen Kompass zur Hand haben, geht die Ermittlung relativ schnell. Mittlerweile gibt aus auch zahlreiche Kompass-Apps, die in der Funktionsweise einem analogen Kompass gleichen. Da so gut wie jeder über ein mobiles Gerät verfügt, ist diese Option vermutlich auch die einfachste. 

Google Earth: Bestimmen Sie die Ausrichtung Ihres Daches anhand von Bildern. Zudem lassen sich so eventuelle Verschattungen erkennen. 

Bauplan: Auf den meisten Bauplänen finden Sie eine Windrose. Mithilfe eines Geodreiecks lässt sich dann die genaue Ausrichtung des Daches bestimmen.

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