Photovoltaik lohnt sich nicht – Faktencheck (2022)

Kai Janßen
Zuletzt aktualisiert: 26/01/2022

Photovoltaik ist auch in diesem Jahr auf dem Vormarsch. Immer mehr Hausbesitzer entscheiden sich für die Nutzung der Sonnenenergie. Doch lohnt sich Photovoltaik überhaupt? Wir gehen der Frage nach. 

Das wichtigste zuerst

PV-Anlagen ohne Speicher

Kleine Solaranlagen ohne Speicher werfen Renditen um die 5% ab (bereits bei einem Eigenverbrauch von 20%)

Eigenverbrauch ist wichtig

Der Schlüssen zur hohen Rentabilität liegt im Eigenverbrauch. Je höher der Wert, desto besser. 

PV-Anlagen mit Speicher

Die Kosten für PV-Komponenten fallen. Das macht auch Anlagen mit Speicher zu einer lohnenswerten Investition. 

Eigene Rechnung machen

Nutzen Sie unseren PV-Rechner und berechnen Sie Ihre individuelle Ersparnis selbst. 

Eins vorweg: 

Die Aussage „Photovoltaik lohnt sich nicht“ ist faktisch falsch. Trotz gesunkener Einspeisevergütung lohnt sich eine Solaranlage mehr als je zuvor. Gute Renditen von 5-10% lassen sich insbesondere dann erzielen, wenn möglichst viel Solarstrom selbst verbraucht wird. 

Warum das so ist klären wir in diesem Artikel auf. 

Lohnt sich Photovoltaik - Beispiel ohne Speicher

Schauen wir uns zunächst einmal eine beispielhafte Kalkulation für eine gewöhnliche Solaranlage ohne Stromspeicher. 

Für das Beispiel wurden folgende Annahmen getroffen:

  • Kapazität der PV-Anlage: 5,5 kWp (Nennleistung)
  • Energieleistung: 5.000 kWh
  • Jährlicher Stromverbrauch: 4.000 kWh
  • Eigenverbrauch: 30%
  • Einspeisung: 70%
  • Betriebsdauer: 20 Jahre
  • Durchschnittlich geschätzter Strompreis über 20 Jahre: 38 Cent pro kWh.

Ertragsschwankungen, Finanzierung und Förderung, Steuern und Inflationsrate wurden nicht berücksichtigt.

Kosten / EinnahmenBetrag
Anschaffungskosten-€7.700
Netzanschluss-€700
Investitionskosten-€8.400
Laufende Kosten (Betrieb, Versicherung; Reparatur, Reinigung, etc.) p.a.-€250
Strombezug (2.500 kWh * 38ct) p.a.-€950
Gesamtkosten über 20 Jahre (Investitionskosten + Laufende Kosten + Strombezug)€32.400
Einspeisevergütung (3.500 kWh * 6,83ct) p.a. €239
Geschätzte Stromkostenersparnis durch Solaranlage p.a. (38ct * 4000 kWh)€1.520
Gesamteinnahmen über 20 Jahre€35.180
Gewinn / Verlust nach 20 Jahren€2.780

Wie Sie sehen, können Sie nach einer Betriebsdauer von 20 Jahren etwa 2.780 Euro sparen im Vergleich zum Strombezug aus dem Netz. Bei 30 Jahren Betriebszeit würde sich der Gewinn sogar auf 8.370 Euro vergrößern - und so lange Betriebszeiten sind bei Einsatz hochwertiger Komponenten durchaus möglich. 

Lohnt sich eine Volleinspeisung?

Die kurze Antwort lautet: Nein! Den gesamten Strom ins Netz einzuspeisen war früher auch für Kleinanlagenbetreiber ein lohnendes Geschäft. Lag die Einspeisevergütung im Januar 2018 noch bei 12,20 Cent je kWh, so beträgt diese mittlerweile 6,83 ct/kWh (Stand Januar 2022). Eine so niedrige Vergütung macht eine Amortisation der Anlage durch Einspeisevergütung unmöglich.

Lohnt sich Photovoltaik - Beispiel mit Stromspeicher

Wie sieht die Rechnung aus, wenn die Installation um einen Stromspeicher erweitert wird? 

Unsere Annahmen: 

  • Kapazität der PV-Anlage: 5,5 kWp (Nennleistung)
  • Energieleistung: 5.000 kWh
  • Stromspeicher: 5 kWh
  • Jährlicher Stromverbrauch: 4.500 kWh
  • Eigenverbrauch: 70%
  • Einspeisung: 30%
  • Betriebsdauer: 20 Jahre
  • Durchschnittlich geschätzter Strompreis über 20 Jahre: 38 Cent pro kWh

Ertragsschwankungen, Finanzierung und Förderung, Steuern und Inflationsrate wurden nicht berücksichtigt.

Kosten / EinnahmenBetrag
Anschaffungskosten-€7.700
Stromspeicher-€5.500
Netzanschluss-€700
Investitionskosten-€13.900
Laufende Kosten (Betrieb, Versicherung; Reparatur, Reinigung, etc.) p.a.-€300
Strombezug (500 kWh * 38ct) p.a.-€190
Gesamtkosten über 20 Jahre (Investitionskosten + Laufende Kosten + Strombezug)€23.700
Einspeisevergütung (3.500 kWh * 6,83ct) p.a. €102
Geschätzte Stromkostenersparnis durch Solaranlage p.a. (38ct * 4000 kWh)€1.520
Gesamteinnahmen über 20 Jahre€32.440
Gewinn / Verlust nach 20 Jahren€8.740

Wie das Beispiel zeigt, kann auch eine Solaranlage mit Speicher höchst profitabel sein - trotz der deutlich höheren Investitionskosten. In unserer Rechnung liegt der Kosten/Nutzen so einer Anlage über den gesamten Betriebszeitraum bei 8.749 Euro.

Lohnt sich ein Stromspeicher? 

Ja! Wenn Sie hohe Renditen mit Ihrer Solaranlage erzielen möchten, dann liegt der Schlüssel zum Erfolg im möglichst hohen Eigenverbrauch. Und dabei hilft ein Energiespeicher.

Als Faustregel gilt: Ohne Stromspeicher ist ein Eigenverbrauch von 30% möglich. Die restlichen 70% werden ins Netz eingespeist. Mit einem Speicher dreht sich das Verhältnis und es können bis zu 70% des Solarstroms selbst verbraucht werden. 

Die Preise für Energiespeicher fallen kontinuierlich. Die Anschaffungskosten für kleine Stromspeicher bis 8 kWh liegen bei etwa 1.000 bis 1.200 Euro pro kWh. Ab 10 kWh sinkt der Preis auf unter 1.000 Euro. Im Jahr 2012 waren die Kosten noch 40% höher. 

Rendite Lüge Photovoltaik - das sagt das Fraunhofer-Institut ISE

Auch das Fraunhofer-Institut kommt in seiner Analyse aus Dezember 2021 zum Ergebnis, dass Photovoltaik sich lohnt und hohe Renditen erzielen kann. 

"Aufgrund der stark gesunkenen Preise für PV-Module sind attraktive Renditen möglich. Das Solar Cluster Baden-Württemberg hat für kleine Anlagen ohne Batteriespeicher und mit Eigenverbrauchsanteil um 25% Renditen bis 5% abgeschätzt [SCBW]."

Photovoltaik lohnt sich nicht? Oh, doch!

Photovoltaik lohnt sich nicht? Oh, doch!

Diese Faktoren beeinflussen die Rendite der PV-Anlage

Schauen wir uns erneut die wichtigsten Einflussfaktoren genauer an, die die Rendite Ihrer Photovoltaikanlage beeinflussen:

  • Hoher Eigenverbrauch: Eine hohe Eigenverbrauchsquote ist das A und O für eine hohe Rendite der Photovoltaikanlage. Es ist viel besser, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen, als ihn für knapp 7 Cent einzuspeisen. Die PV-Anlage rechnet sich bereits bei einer Eigenverbrauchsquote von 20 bis 30 Prozent. 
  • Anschaffungskosten: Je höher die Kosten pro kWh Leistung, desto schlechter die Rendite. Vergleichen Sie daher unbedingt Angebote von mehreren Installateuren. Lesen Sie hier, wie Sie einen qualifizierten Fachbetrieb für Photovoltaikanlagen finden können. 
  • Größe der PV-Anlage: Planen Sie so groß wie möglich, denn bei kleinen Solaranlagen sind die Kosten pro kW höher. Eine 10-kW-Anlage kostet um die 1.300 Euro pro kW, eine 4-kW-Anlage hingegen oft 1.500 Euro und mehr. Deshalb empfiehlt auch Stiftung Warentest sowie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, nach Möglichkeit, die komplette Dachfläche mit Solarmodulen zu belegen. 
  • Dachausrichtung: Die ideale Dachausrichtung zeigt nach Südwest bis Südost bei einer Dachneigung von 20 bis 40 Grad. Aber auch zur Nordseite ausgerichtete PV-Anlagen erzielen dank moderner Technik immer bessere Erträge und können. 
  • Batteriespeicher: Mit einem Energiespeicher lässt sich der überschüssige Solarstrom speichern und später nutzen. Somit können Sie ihren Eigenverbrauch steigern. Sie sollten den Speicher nicht überdimensionieren. Ein guter Richtwert ist eine Speicherkapazität von 1 kWh je 1.000 kWh Verbrauch. 

Die Auflistung bezieht sich auf kleine Photovoltaikanlagen für Hausbesitzer. Bei gewerblichen Anlagen gelten andere Regeln. 

Photovoltaik ja oder nein?

Photovoltaik lohnt sich nicht? Doch, Photovoltaik lohnt sich! Dabei gilt: Je höher der Eigenverbrauch, desto lohnenswerte die Solaranlage. Kleinere Anlagen mit 20% Eigenverbrauchsanteil können Renditen von etwa 5% Prozent erzielen. Bei höherem Stromverbrauch sind Renditen bis zu 10% möglich. 

Somit kann man sagen: Ja, Photovoltaik lohnt sich gerade mehr als je zuvor! Die Einspeisevergütung fällt zwar und wird weiter fallen. Demgegenüber stehen ab stark sinkende Anschaffungskosten und die immer höheren Stromkosten. Hinzu kommt, dass Photovoltaik die umweltfreundlichste Energieform für Ihr Zuhause ist. 

Sie können Ihr individuelles Einsparpotenzial leicht berechnen. Nutzen Sie hierfür einfach unseren Rechner. 

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